Multi-Track System

Philipp Bonhoeffer unterrichtet bei einer Echokardiografie-Fortbildung in Nairobi, 1993

Im Jahr 1992 bat Prof. Lucio Parenzan Philipp Bonhoeffer, ihm bei der Weiterentwicklung der herzchirurgischen Versorgung in Kenia zu helfen. Zu Beginn bestand seine Aufgabe in der Weiterbildung für Diagnoseverfahren wie der Echokardiografie.

Mit der Zeit jedoch wurden Behandlungsmöglichkeiten notwendig, um den Patienten zu helfen, wenn auch in sehr bescheidenem Maßstab – denn die Diagnose ohne die Möglichkeit einer Therapie führte zu Enttäuschungen bei den Herzpatienten, die eine herzchirurgische Behandlung benötigten.

Die einfachste Therapiemethode für Herzpatienten war die Dilatation der Pulmonalstenose. Das „Kenyatta Hospital“ in Kenia verfügte über ein sehr altes und rudimentär ausgestattetes Katheterlabor, das für diese Behandlungen verwendet werden konnte.

Die ersten Behandlungen durch Pulmonaldilatation in Kenia waren erfolgreich und veränderten viel: Sie wurden zum Symbol für die Möglichkeit, Herzpatienten in Ostafrika zu behandeln und weckten großes öffentliches Interesse.

Dies war eine Therapiemethode für eine relativ seltene Krankheit. Die Kardiologen unter der Leitung von Dr. Gerald Yonga und Dr. Christine Jowi trieben die Weiterentwicklung der Behandlungsmöglichkeiten für die Mitralstenose voran, da diese Krankheit in armen Ländern sehr verbreitet ist und ihre Therapie eine große Wirkung und Tragweite hat.

Die ersten Pulmonaldilatationen im Jahr 1993 zeigten, dass die Therapie von Herzkrankheiten in Kenia möglich war

Leider lagen die Kosten für einen Inoue-Katheter zum einmaligen Gebrauch, der gewöhnlich für die Dilatation von Mitralklappen verwendet wird, zu dieser Zeit bei ungefähr 5.000 Dollar. Das war im Rahmen dieses Projekts eindeutig zu teuer. Allerdings weckten Dr. Yonga und Dr. Jowi das Interesse Philipp Bonhoeffers, eine kostengünstigere Alternative für die Dilatation der Mitralklappen zu entwickeln.

Er erfand ein System, bei dem zwei Katheter auf einer einzelnen Drahtführung laufen können. Mit dieser einfachen Anwendung konnte die Größe des vaskulären Ansatzes reduziert werden, und es bot sich eine wirtschaftlich attraktivere Alternative zum Inoue-System.

In Zusammenarbeit mit Allen Tower wurden diese Katheter bei NuMed entwickelt und hergestellt.

Im Jahr 2004 lud Philipp Bonhoeffer Allen Tower (den Vorsitzenden von NuMed), Prof. Daniel Sidi und Dr. Jean Francois Piechaud nach Kenia ein, um Patienten, die für eine Dilatation der Mitralklappen in Frage kamen, zu untersuchen. Dort führte er die erste Dilatation der Mitralklappen mit dem Multi-Track-System am Menschen durch,  zusammen mit dem kenianischen Team aus Dr. Gerald Yonga und Dr. Christine Jowi.  http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8829845.

Die erste interventionelle Katheterisierung in Kenia

Die ersten Operationen waren erfolgreich, jedoch mussten in den folgenden zwei Jahren viele Änderungen am Katheter und an der Technik vorgenommen werden.

Multi-Track-Mitraldilatation

In Zusammenarbeit mit Allen Tower (dem Vorsitzenden von NuMed) versuchte Philipp Bonhoeffer, ein Non-Profit-Unternehmen zu gründen, um eine Dilatation der Mitralklappen für diese meist sehr arme und bedürftige Patientengruppe finanziell zu ermöglichen. Nachdem sich die erste Idee, Katheter vor Ort in Kenia zu produzieren, als nicht praktikabel erwiesen hatte, wurde das Unternehmen MAP Medical gegründet, das später an NuMed übertragen wurde. Nach Erhalt der Behördengenehmigung verkaufte NuMed das Multi-Track-Set für die Dilatation der Mitralklappen weltweit in viele Länder.

In Kenia profitierten mehrere hundert Patienten von der Technologie, und alle Katheter wurden durch die großzügige Unterstützung von Allen Tower kostenlos zur Verfügung gestellt.

Der MultiTrack-Angiokatheter

Das Konzept, einen Katheter wie bei der Multi-Track-Mitraldilatation neben einer Drahtführung laufen zu lassen, wurde später auch zu einer wichtigen Methode bei der diagnostischen Herzkatheterisierung. Tatsächlich war der MultiTrack-Angiokatheter der erste Katheter von Philipp Bonhoeffer, der weltweit Anerkennung fand. Damit konnte man eine kardiale Angiographie mit einer Drahtführung durchführen und so die Bildgebung während dem Eingriff am Herzen wesentlich vereinfachen und verbessern.

Die ersten Behandlungen durch Pulmonaldilatation in Kenia waren erfolgreich und veränderten viel: Sie wurden zum Symbol für die Möglichkeit, Herzpatienten in Ostafrika zu behandeln und weckten großes öffentliches Interesse.